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Der Tod eines Herzens


Es lag einst mein Herz darnieder,
im Mondeslichte Schein,
es sang voll Trauer Lieder,
es wollte nicht mehr sein.

Voll Kummer und Pein entfremdet so fern,
sang mein Herz so süß und mild,
begann es leis´ zu beten, zu Gott, dem Herrn,
sein Schlagen war laut und wild.

Sehnsucht und Liebe entflammte in dem Herz,
sein Beten eiligst gen Himmel fuhr,
bald wohl erlöst von all dem Schmerz,
hoffend auf Antwort Gottes oder einem Anhören nur.

So saß es da, mein Herz am Boden,
kleine Tropfen bedeckten bald die Erde,
leise singend alle weltbekannten Liebesoden,
stimmten flüsternd ein die himmlische Herde.

Stunde um Stunde ging bald ins Land,
das Herz so voller Hoffnung im Gebet entbrannt,
zog dieses nun fester, fester am göttlichen Band,
als es sich plötzlich in einem Meer aus Blut wiederfand.

Mein Herz erschrak und erkannte die Wunde,
unmerklich platzten auf alte Nähte in ihm,
niemandem der Verursacher ereilte diese Kunde,
das Blut das floss, mein Herz konnte nicht flieh´n.

Noch inbrünstiger fuhr es fort im Gebet,
es hoffte so sehr auf IHN, die Erde färbte sich rot,
es spürte einen Stich, es war zu spät,
aus Rot wurde Weiß und es erkannte, er kam - der Tod.

So endete das Leben meines Herzens zu früh,
war es doch so voll von Liebe,
getötet von Hiebe anderer Herzen ohne Müh,
wurde es hinfort gebracht, vom Tod, dem Diebe.

Im Mondeslichte Schein hauchte es aus seinen Geist,
erloschen für immer eine helle Flamme,
sein letzter Wille war, dass du weißt:
getötet wurde ich,
getötet von der Kälte der Herzen,
getötet ich, ein junges Herz, getötet ich, ein Lamme!


- Aus "Velourion & Lavinia - Eine Novelle in Reimen" von Mel Mae Schmidt
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